Der Heilige Cyriakus

Matthias Grünewald (1460-1528)

Flügel im sog. Heller-Altar (Historisches Museum Frankfurt)

Der Heilige Cyriakus.
Matthias Grünewald, Städelsches Kunstinstitut Frankfurt


Der Heilige Cyriakus ist einer der vierzehn Nothelfer, deren Anrufung in Süddeutschland, in Tirol und in der Schweiz ein wesentlicher Bestandteil der katholischen Riten ist. Nach der Legende wurde Cyriakus vom Papst Marcellus um 300 zum Diakon geweiht. Jahrelang war er Gefangener des Kaisers Diokletian, der ihn auch nicht begnadigte, als Cyriakus die Kaisertochter Artemia von ihrer Besessenheit befreite. Bei dem Exorzismus entfloh ein Teufel, der Cyriakus prophezeite, er werde in Babylon erwartet. Tatsächlich wurde er wenig später vom Perserkönig gerufen, damit er seine fallsüchtige und besessene Tochter heile. Cyriakus heilte die Tochter, taufte die Eltern und "viel Volks" und kehrte nach Rom zurück. Nach Diokletians Abdankung ließ Maximian ihn ergreifen; nach langen Foltern wurde er im Jahre 305 enthauptet. Sein Festtag ist der 8. August.

Grünewald malte den Heiligen Cyriakus für den sogenannten Heller-Altar in einer Grisaille-Malerei, das heißt nur mit Weiß-, Grau- und Schwarzabstufungen. Gerade diese hellen, fast leblosen Farben unterstreichen das Unheimliche in diesem Bild. Artemia kniet neben dem Heiligen, die dargestellte Symptomatik lässt an ein mehrfach behindertes Mädchen denken (vergröberte Gesichtszüge, Bewegungsstörung und Deformierung im Bereich der Finger und Hände, mangelnde Kopfkontrolle); nach den Überlieferungen liegt bei der Diokletiantochter zusätzlich eine Epilepsie vor.

Der Heilige hält ein Buch mit einem Dreifaltigkeits-Segen in der einen Hand, während die rechte Hand den Kopf der Leidenden durch den straff um den Hals gezogenen Manipel hält und durch den Druck des Daumens den verkrampften Mund öffnen will, um den bösen Geist zum Entweichen zu zwingen.



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