Christus heilt einen Fallsüchtigen

Tafelbild um 1750

Lutherische Kirche in Krummenau (Photo Max Galli)

Im Hunsrück gibt es eine Reihe kleiner Barock-Kirchen, die lutherisch geprägt sind: nüchterne Innenarchitektur und Ausstattung sowie spärliche Ausmalung, oft von anrührender Naivität. Mitunter sind Bilder aus dem Leben Jesu in bäuerlicher Manier und mit kräftigen Farben auf die Füllbretter der Emporenbrüstung gemalt. Den Bildern liegt meist ein wohldurchdachtes, erzieherisch-theologisches Programm zu Grunde, das den meist leseunkundigen Gläubigen den Inhalt der Bibel und ihren Sinngehalt nahe bringen sollte.

Christus heilt einen Fallsüchtigen.
Tafelbild um 1750

Es ist nicht sicher, ob die Tafelbilder der Kirche in Krummenau aus der Werkstatt des Johann Georg Engisch stammen, der auch die Bilder der lutherischen Kirche im benachbarten Dill schuf.

Die Darstellung des Christus, der den Fallsüchtigen heilt, hat etwas liebevoll Kindliches an sich. Der lächelnde Christus schaut voller Freude auf den kleinen Drachen mit Ringelschwanz, der wie in einer Eruption aus dem Mund des Kranken emporschießt. Auch die Jünger Christi sehen dem Geschehen schmunzelnd zu. Es gibt kaum eine Darstellung Christi, in der er sich am Erfolg einer Heilung so zu freuen scheint wie hier.

Die Kette am linken Unterarm des Kranken deutet auf das Schicksal vieler Anfallkranker in den vergangenen Jahrhunderten hin: Epilepsiekranke Menschen wurden häufig als "gemeingefährlich" in Gefängnissen und Verließen eingesperrt, in "Irrenhäusern" verwahrt oder in Privathäusern im Keller oder in dunklen Kammern eingeschlossen. Die Darstellung "gesträubter Haare" diente im Mittelalter übrigens häufig als Hinweis auf "Besessenheit".



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