Der Heilige Ubald von Gubbio

Matthias Faller (1707-1790), Großplastik in der Klosterkriche St. Märgen im Schwarzwald

(Photographie Max Galli)

Da es in der heidnischen Zeit eine Überfülle von Götzenstatuen gab, fiel es der Kirche schwer, Christus und die Heiligen figürlich darzustellen. Es gab über den Altären zuerst nur leere Kreuze und Fisch-Symbole. Doch dann machten die Reliquien, die die Anwesenheit der Heiligen "in persona" bedeuteten, eine passende Aufbewahrung notwendig. Neben Schreinen, Büsten und Schmuckkästen formte man Figuren, die teilweise ausgehöhlt waren, um die Reliquien oder Hostien zu bergen.

Erst nach 1200 entstanden eigenwertige Plastiken, eine weitere Hochblüte gab es dann im Barock.

Der Klosterbildhauer Matthias Faller, Schwarzwälder Bauernsohn und begabtester Schüler des Barock-Bildhauers Josef Anton Feuchtmayr, schuf für "seine" Kirche in St. Märgen mehrere überlebensgroße Statuen, u.a. die goldene Statue des heiligen Ubald von Gubbio, zu dessen Füßen sich ein Kranker mit allen Anzeichen eines großen epileptischen Anfalls windet.

Es gibt drei Heilige mit dem Namen Ubald (oder Theobald, französisch Thibaut): den Erzbischof von Vienne, der 1001 starb und der am 21. Mai gefeiert wird; dann seinen Neffen Theobald von Provins (oder von Thann), der 1073 von Papst Alexander II. heiliggesprochen wurde, sein Gedenktag ist der 30. Juni. Schließlich gibt es noch den Heiligen Ubald von Gubbio, einen Augustiner-Chorherren, dessen Fest am 16. Mai gefeiert wird, und der vielfach mit dem Heiligen in Thann verwechselt wird. Beide werden in Südbaden und im nahen Elsass als Helfer in Todesnot und bei "Heiliger Krankheit" (Epilepsie) angerufen. Da beide auch nach Santiago de Compostela pilgerten und sich danach in die Einsamkeit zurückzogen, ist die Identität der beiden Heiligen nicht immer eindeutig. Der Heilige Ubald von Gubbio.
Matthias Faller (1707-1790),
Großplastik in der Klosterkirche St. Märgen im Schwarzwald

Vom Heiligen Theobald (Ubald) aus Thann gibt es viele Legenden, die in einem umfangreichen Folianten, der von 1402 bis 1521 geführt wurde, aufgeschrieben sind; darin enthalten sind auch einige Erzählungen von erfolgreichen Fallsucht-Heilungen.
Um eine solche handelt es sich bei der hier dargestellten Plastik.

Der Kranke kniet in verkrampfter Haltung zu Füßen des Heiligen; der linke Arm ist wie hilfesuchend nach oben ausgestreckt, der rechte ist bodenwärts gerichtet, so dass andeutungsweise die Figur eines Kreuzes resultiert, Symbol des Leides. Der Kopf des Kranken ist in einer unnatürlichen Position zur rechten Schulter gebogen, Mund und Augen sind geöffnet, die Gesichtszüge zeigen die Qual des Anfallkranken. Wie so häufig bei derartigen Darstellungen ist der epilepsiekranke Mensch nur halb bekleidet dargestellt - Symbol der "Armseligkeit" und des Ausgestoßenseins des Betroffenen. Der Heilige Ubald, in der Tracht der Augustiner-Chorherren (zu deren Besitzungen auch das Kloster in Sankt Märgen gehörte), steht in gelassener Haltung hinter dem Anfallkranken - in der linken Hand den Stab als Zeichen seiner geistlichen Würde, die rechte Hand segnend über dem Kranken ausgestreckt.

Die Figurengruppe zeigt, insbesondere in der Person des Epilepsiekranken, den barocken Überschwang der Formen und Bewegungen und bringt so das dramatische Geschehen eindrücklich zur Geltung.


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