Epileptisches Kind wird von den Eltern nach Altötting verlobt *

* "verloben" = Gelübde aussprechen

Mirakelbild aus dem Kapellenumgang zu Altötting (Photographie Claus Hansmann, Stockdorf)

Epileptisches Kind wird von den Eltern nach Altötting verlobt.Darstellungen von kranken Kindern haben immer etwas besonders Rührendes an sich. Wenn man sich die hohe Kindersterblichkeit der vergangenen Jahrhunderte vor Augen führt, kann man sich leicht vorstellen, wie hart es Eltern treffen musste, ihr Kind in jener "teuflischen Krankheit", der fallenden Sucht, zu sehen. Man griff zu allen möglichen Heil- oder Besserungsmethoden, und nicht selten wurde durch Quacksalberdienste oder obskure Heilungszeremonien ein schnellerer Tod herbeigeführt, als es die Krankheit forderte.

In einem der damals kursierenden Heilbücher ist folgende Empfehlung zur Behandlung der Fallsucht zu lesen:

"Daß ein Kind solche Kranckheit sein Lebetag nicht bekomme: Nimm Poenien-Wurtzel, so im Monat Julio im Abnehmen des Mondes, und in dem Zeichen des Löwen, auf einen Sonntag zwischen 3 und 4 Uhr des Morgens, ist gegraben worden; diese Wurtzel laß in roth scharlachen Läpgen mit einem rothen seidenen Faden nehen, von einem Kind, das noch nicht das 12. Jahr alt ist, welches die Wurtzel auch graben muß, doch darf sie eine erwachsene Person suchen helffen. Diese Läpplein mit der darein genaehten Wurtzel [soll] man den Kinder mit einem rothen seiden Faden gleich bey der Geburt anhängen, so sind sie naechst Gottes Beystand ihr Lebetage sicher vor dieser Kranckheit fallende Sucht." (Poenie = Päonie = Pfingstrose)

Epileptisches Kind (Bildausschnitt)
Das auf dem Mirakelbild dargestellte Kind hat möglicherweise gerade einen Anfall erlitten: Die eher schlaffe (nicht verspannte) Körperhaltung, die geschlossenen Augen (die im Anfall meist geöffnet sind) und die eher entspannten Gesichtszüge der Eltern deuten darauf hin, dass das Anfallsgeschehen bereits abgeklungen ist.

Die Kette aus (rot-gefärbten) Päonien-Samen, die das Kind eigentlich vor Anfällen schützen sollte (s.o.), hat offensichtlich keine entsprechende Wirkung entfaltet.



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